Peter Lehmann ist ein Schauspieler und Bearbeiter von Stoffen für Theateraufführungen, er wurde als Sohn deutscher Exilanten in Santiago de Chile geboren. Nach dem Abitur und einem Ingenieurstudium studierte er an der Theaterschule der Universidad de Chile Schauspiel.
Von 1964 bis zum Putsch in Chile war er als Schauspieler in diversen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen tätig. Er konnte flüchten und lebt seitdem in Deutschland.

EL BATARAZ (nach dem Roman von Mauricio Rosencof, Uruguay)
Ein Funken Hoffnung im schlimmsten Grauen
Ein Mensch betritt eine leere Bühne. Abschätzend mit Augen und Füßen durchmißt er das Podium und markiert schließlich, leise vor sich hinsummend, mit Kreide ein Rechteck von zwei Quadratmetern. Mit dem Moment; in dem sich die letzten Zentimeter zwischen Länge und Breite schließen, verwandelt sich der .Mann vom Raum-greifenden Akteur in den Gefangenen Che. "Ohne alles", aber begabt mit einer einprägsamen Fabulierstimme und einer facettenreichen Körpersprache realisiert Peter Lehmann "Der Bataraz" - ein Theaterstück nach dem Roman des uruguayischen Dichters Mauricio Rosencof.
Lehmann nennt seine Bühnen-Adaption "ein Solo fiir Menschenrechte". Zu Recht. Denn was der Mime in eineinhalb Stunden innerhalb der Kreidemarkierung vollführt, ist ein Plädoyer für politisch Verfolgte. Mit Wut, Humor,. entlarvender Ironie und der Kraft der Phantasie läßt er "Che" fiir ein menschenwürdiges (Über-) Leben kämpfen. Dazu schlüpft er monologisierend - nicht nur in die Rolle des Gefangenen, sondern er stellt, mit schneidendem oder schnärrendem Befehlston Kommandant und Wachpersonal dar, hält Schein-Dialoge mit einem Federvieh, das den Hühnerstall-ähnliclien Knast mit ihm teilt oder er imaginiert sich seine Elter, läßt Kindheitserlebnisse und Naturerscheinungen aufleben und führt diese Erinnerungen szenisch vor. Mit diesen Phantastereien, die teils autogenes Training, teils Isolations-bedingte Halluzinationen sind, trotzt er Hunger, Durst; Kälte, Einsamkeit und Folter .
Sowohl der Autor wie der Akteur wissen, wovon sie schreiben und sprechen. Rosencof hat in "Der Bataraz" Erfahrungen aus zwölf Jahren Einzelhaft aufgearbeitet. Lehmann,. dessen Eltern aus Nazi-Deutschland nach Chile ins Exi1 gingen, mußte seine Heimat nach dem Pinochet-Putsch verlassen, floh vor der chilenischen Militärdiktatur in die Bundesrepublik. Auf Einladung der Ökumenischen Werkstatt Main-Kinzig, der Nicaragua-AG der Heinrich-Böll-Schule und des Kulturverein Wundertüte zeigte I:ehmanns eine Rosencof- Dramatisierung in der Aula der integrierten Gesamtschule. Er führte die ’Zuschauer/innen dabei bis an die Grenze des Erträglichen und wußte dann doch noch in den Augenblicken schlimmsten Grauens einen Funken Hoffnung zu entzünden, ein widerständiges "Trotzdem" aufblitzen. Wie etwa, wenn er sich in größter Not wünscht, wie ein Baum zu sein, denn "Bäume haben. keine Angst und sterben. aufrecht". Da wird Lehmann zum männlichen Pendant von : Gioconda Bellis "Bewohnte Frau".