Kopftheater und politische Reise für die Sinne: Spoken Poems und Kurzgeschichten von Eduardo Galeano und Pablo Neruda umspielt und unterstrichen vom Jazz-Trio Playtime feat. Ack van Rooyen.
Inspiriert von Eduardo Galeanos Geschichten aus „Das Buch der Umarmungen“, in denen es nicht nur um das Phänomen Lateinamerika geht, komponierte der Darmstädter Pianist Uli Partheil eine Musik, die sich zwischen Galeanos heitere und melancholische Gedankensplitter und Geschichten fügt, die der chilenische Schauspieler Peter Lehmann auf Spanisch und Deutsch einfühlsam und spannend zugleich rezitiert.
Eduardo Hughes Galeano, 1940 in Montevideo geboren, ist Journalist, Historiker und Kulturkritiker. 1973 emigrierte er nach Argentinien, drei Jahre danach ging er ins spanische Exil, aus dem er erst 1985 wieder nach Uruguay zurückkehrte. Eduardo Galeanos Geschichten sind einfach, eindringlich und voller Poesie. Sie handeln durchweg von Menschen an verschiedenen Orten unseres Erdballs. In der musikalischen Übersetzung finden die Geschichten dieser Menschen ihre Entsprechung.
Uli Partheils Playtime– Musik
Peter Lehmann– Sprecher
Eine musikalische Reise über sechs Gedichte von Pablo Neruda
das wort
der chilenische wald
ode an die zwiebel
ode an die katze
ode an die nackte schöne
ode an die seeaalsuppe
ODEN musik WALD musik: unter diesem Titel stellen Uli Partheils PLAYTIME und der chilenische Schauspieler Peter Lehmann ihr neues Programm vor. Sechs Texte von Pablo Neruda, in der Hauptsache "Elementare Oden", werden eingebettet in die eigens dafür geschriebene Musik von Uli Partheil.
„Die Solidarität, Schlichtheit und stupende poetische Kraft, die Nerudas Werk auszeichnen, finden ihre tiefe Entsprechung in der Spiel und Kompositionshaltung eines Pianisten, der die Darmstädter Szene wie kein zweiter geprägt hat.“ Michael Bossong, Redaktion Hessisches Jazzpodium 2008
Uli Partheils Playtime– Musik
Peter Lehmann– Sprecher

Weitere Stücke:
El Bataraz / Der Bataraz
nach dem Roman von Mauricio Rosencof, Uruguay (Deutsch oder Spanisch)
Ein Funken Hoffnung im schlimmsten Grauen
Ein Mensch betritt eine leere Bühne. Abschätzend mit Augen und Füßen durchmißt er das Podium und markiert schließlich, leise vor sich hinsummend, mit Kreide ein Rechteck von zwei Quadratmetern. Mit dem Moment; in dem sich die letzten Zentimeter zwischen Länge und Breite schließen, verwandelt sich der Mann vom Raum-greifenden Akteur in den Gefangenen Che. "Ohne alles", aber begabt mit einer einprägsamen Fabulierstimme und einer facettenreichen Körpersprache realisiert Peter Lehmann "Der Bataraz" - ein Theaterstück nach dem Roman des uruguayischen Dichters Mauricio Rosencof.
Lehmann nennt seine Bühnen-Adaption "ein Solo für Menschenrechte". Zu Recht. Denn was der Mime in eineinhalb Stunden innerhalb der Kreidemarkierung vollführt, ist ein Plädoyer für politisch Verfolgte. Mit Wut, Humor, entlarvender Ironie und der Kraft der Phantasie läßt er "Che" für ein menschenwürdiges (Über-) Leben kämpfen. Dazu schlüpft er monologisierend - nicht nur in die Rolle des Gefangenen, sondern er stellt, mit schneidendem oder schnärrendem Befehlston Kommandant und Wachpersonal dar, hält Schein-Dialoge mit einem Federvieh, das den Hühnerstall-ähnlichen Knast mit ihm teilt oder er imaginiert sich seine Eltern, läßt Kindheitserlebnisse und Naturerscheinungen aufleben und führt diese Erinnerungen szenisch vor. Mit diesen Phantastereien, die teils autogenes Training, teils Isolations-bedingte Halluzinationen sind, trotzt er Hunger, Durst, Kälte, Einsamkeit und Folter .
Sowohl der Autor wie der Akteur wissen, wovon sie schreiben und sprechen. Rosencof hat in "Der Bataraz" Erfahrungen aus zwölf Jahren Einzelhaft aufgearbeitet. Lehmann, dessen Eltern aus Nazi-Deutschland nach Chile ins Exil gingen, mußte seine Heimat nach dem Pinochet-Putsch verlassen, floh vor der chilenischen Militärdiktatur in die Bundesrepublik. Er führt die ZuschauerInnen dabei bis an die Grenze des Erträglichen und weisshttp://www.ulipartheil.de dann doch noch in den Augenblicken schlimmsten Grauens einen Funken Hoffnung zu entzünden, ein widerständiges "Trotzdem" aufblitzen. Wie etwa, wenn er sich in größter Not wünscht, wie ein Baum zu sein, denn "Bäume haben. keine Angst und sterben aufrecht". Da wird Lehmann zum männlichen Pendant von : Gioconda Bellis "Bewohnte Frau".